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Förderung erneuerbarer Energien vs. Strompreis

Welchen Einfluss haben die Stadtwerke auf die Gestaltung des Strompreises? Sorgt die Förderung erneuerbarer Energien für eine Steigerung des Strompreises? Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, möchten wir Ihnen die einzelnen Faktoren vorstellen, aus denen sich der Stadtwerkestrompreis zusammensetzt.

Die Stadtwerke Solingen sind ein mittelständisches kommunales Unternehmen, das auf eine solide, nachhaltige Entwicklung ausgerichtet ist und eine langfristig sichere und bezahlbare Versorgung ihrer Kunden zum Ziel hat. Der Ausbau der erneuerbaren Energien und eine kundenorientierte Kalkulation der Strompreise sind Teil der geschäftlichen Orientierung.

Die Zusammensetzung des Stadtwerke Strompreises

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Der Strompreis für einen durchschnittlichen Haushalt setzt sich aus sieben Positionen zusammen (siehe Abbildung oben); die meisten sind Steuern und andere staatliche vorgegebene Abgaben und somit fixer Bestandteil des Strompreises. Mehr als 75 Prozent der Preisbestandteile können von den Stadtwerken bei der Preisgestaltung nicht beeinflusst werden.

Ist die Förderung Erneuerbarer Energien Grund für den steigenden Strompreis?

Der Strompreis setzt sich aus einer Vielzahl von Bestandteilen zusammen, von denen viele überhaupt nichts mit der Förderung erneuerbarer Energien zu tun haben. Selbst die EEG-Umlage ist nur zu 40 Prozent auf die Förderung erneuerbarer Energien ausgerichtet. Wie jedes Projekt muss auch die Steuerung der Energiewende nach einer gewissen Anlaufzeit neu justiert werden. Strom aus erneuerbaren Energien kann mit wachsendem Zubau immer günstiger und zu marktgerechten Preisen hergestellt, die Förderung dementsprechend zurückgefahren werden. Erneuerbare Energien können so zunehmend zu unserer Energieversorgung beitragen. Sie senken den energiebedingten CO2-Ausstoß, der unser Klima schädigt: davon profitieren wir alle. Erneuerbare Energien – möglichst nah bei den Kunden erzeugt – spielen daher im künftigen Energiemix der Stadtwerke Solingen eine wichtige Rolle.

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Zusammensetzung der staatlichen Abgaben und Umlagen:

Der kleinste Bestandteil des Strompreises mit insgesamt 1,77 Prozent ist ein Bündel aus kleineren Abgaben und Umlagen: Die KWK-Umlage wurde 2002 zusammen mit dem Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz (KWKG) eingeführt und dient der Förderung der Stromerzeugung aus Anlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung.

Dann gibt es die Umlage nach § 19 der  Stromnetzentgeltverordnung zum Ausgleich für Netzentgeltbefreiungen von stromintensiven Unternehmen.

Ebenfalls in diesem Bündel enthalten ist die so genannte Offshore-Haftungsumlage”, die seit Januar 2013 zu Buche schlägt. Durch diese Zahlung übernehmen Verbraucher zu einem großen Teil die Haftung für Schadensersatzkosten, die ggf. durch verspäteten Anschluss von Offshore-Windparks an das Übertragungsnetz oder auch durch längere Netzunterbrechungen entstehen können.

Neu dazu kommt 2014 die Umlage für abschaltbare Lasten, die künftig zur Aufrechterhaltung der Netz- und Systemstabilität (Versorgungssicherung) beitragen soll.

Mit 6,67 Prozent schlägt die so genannt Konzessionsabgabe als eigener Posten an den Gesamtstromkosten zu Buche. Sie kommt den Kommunen zugute und ist faktisch ein Nutzungsentgelt für die Beanspruchung öffentlicher Verkehrswege, um Versorgungsleitungen für Strom zu legen oder zu betreiben. Die Vergütung erfolgt auf Basis der Größe der jeweils beziehenden Gemeinde und ist seit Jahren konstant.

6,87 Prozent des Gesamtstrompreises entfällt auf die Stromsteuer. Sie wurde 1999 im Zuge der ökologischen Steuerreform eingeführt, u.a. mit dem Ziel den nationalen Energieverbrauch zu senken. Dies soll zudem die Entwicklung energieeffizienter und ressourcenschonender Produkte motivieren. Unternehmen, die als energieintensiv eingestuft werden, können ihre Stromsteuer senken, indem sie eine Reihe von Ausnahmeregelungen in Anspruch nehmen. Der Bund wendet aktuell rund 90 Prozent der Einnahmen aus der Stromsteuer für die Aufstockung der Rentenkasse auf.

15,97 Prozent Anteil am Strompreis hat die Mehrwert- oder Umsatzsteuer, die in Deutschland auf Strom und Gas grundsätzlich mit 19 Prozent erhoben wird und die sich folglich proportional zur Höhe des Strompreises entwickelt.

Die Netzentgelte machen 22,94 Prozent des Verbraucherstrompreises aus. Das ist eine Abgabe, die die Stadtwerke für die Nutzung des Stromnetzes, also für Transport, Messung und Abrechnung des Stroms an die so genannten Netzbetreiber bezahlen müssen.

Lediglich Beschaffung und Vertrieb der Energie können tatsächlich durch die Stadtwerke Solingen beeinflusst werden und machen 24,87 Prozent am Gesamtstrompreis aus. Bei der Gestaltung der Strompreise sind über 75 Prozent staatlich regulierte Abgaben und Umlagen zu berücksichtigen. Obwohl die Stadtwerke in 2013 Vertrieb und Beschaffung effizient und kostenbewusst gestalten konnten, waren die Umlagen-Erhöhungen ab 2014 nicht vollständig aufzufangen.

Die EEG-Umlage

20,91 Prozent des Strompreises resultieren aus der EEG-Umlage. Wie jedes Elektrizitätsversorgungsunternehmen haben auch die Stadtwerke Solingen für jede an den Letztverbraucher gelieferte Kilowattstunde Strom eine Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG-Umlage) an die Netzbetreiber zu entrichten. Mit diesen Zahlungen wird die Differenz aus den Einnahmen und den Ausgaben der Netzbetreiber bei der Umsetzung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) gedeckt. Mit den Einnahmen aus der EEG-Umlage soll der Ausbau der erneuerbaren Energien gesteuert und zugleich deren Entwicklung zur Marktfähigkeit unterstützt werden.

Der durch das EEG geförderte Strom wird seit dem Jahr 2010 durch die Übertragungsnetzbetreiber an der Strombörse vermarktet. Die Höhe der EEG-Umlage, die stetig ansteigt, errechnet sich aus der Differenz zwischen den Vermarktungserlösen und den gesetzlich geregelten Vergütungen. Um diese Entwicklung besser nachvollziehen zu können, lohnt der Blick auf die tatsächlichen Einflussfaktoren. Dies zeigt auch, in welchem Umfang die erneuerbaren Energien bei der EEG-Umlage zu Buche schlagen.

Mit 6,24 Cent im Jahr 2014 hat sich die Umlage seit 2009 etwa versechsfacht. Die EEG-Umlage setzt sich jedoch aus mehreren Teilen zusammen. In der Grafik unten ist die EEG-Umlage aufgeschlüsselt.

Von den 6,24 Cent entfallen jedoch nur 2,54 Cent auf die Förderung erneuerbarer Energien. Dieser Teil, der ausschließlich den erneuerbaren Energien zugutekommt, hat sich im letzten Jahr somit nur um 6,3 Prozent erhöht. Die Summe der sonstigen Faktoren ist dagegen um 29  Prozent angestiegen.

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Seit dem Jahr 2012 wird der Umlage eine Marktprämie beigerechnet, die einen Anteil von 2 Prozent ausmacht. Diese Prämie wird allen Erzeugern als Anreiz ausgezahlt, die freiwillig aus der EEG-Vergütung aussteigen und ihren Strom direkt an der Börse vermarkten. Ziel hierbei ist vor allem die Marktintegration der erneuerbaren Energien.

Ebenfalls seit 2012 wird über die EEG-Umlage in eine Liquiditätsreserve einbezahlt. Dies ist ein Puffer für mögliche Verluste, die durch Angebotsschwankungen von Wind- und Sonnenenergie entstehen. Nachdem diese Reserve einmalig aufgebaut ist, soll die Einzahlung langfristig wieder relativiert bzw. eingestellt werden.

Etwa 23,5 Prozent der EEG-Umlage sind 2014 auf das aktuell praktizierte System des Stromhandels an der Strombörse EEX in Leipzig zurückzuführen: den so genannten Merit-Order-Effekt. Der Preis, zu dem Strom dort gehandelt wird, ergibt sich aus der so genannten “Merit Order”, also der Reihenfolge, in der Kraftwerke eingesetzt werden müssen, um die Nachfrage an Strom zu decken. Dabei werden die Kraftwerke nach der Höhe ihrer Grenzkosten aktiviert. Angefangen wird mit demjenigen, das am billigsten produziert, das Ende der Rangfolge bildet das letzte und gleichzeitig auch teuerste Kraftwerk, das zur Deckung des Strombedarfs benötigt wird. Dieses bestimmt dann letztlich den Börsenpreis.

Erneuerbare Energien haben geringe Grenzkosten und stehen daher am Beginn der “Merit Order”. Sie werden deshalb – auch in Folge ihres zunehmenden Ausbaus – immer häufiger in die Netze eingespeist. Damit werden die teureren Kraftwerke verdrängt und der Börsenpreis für Strom sinkt. Dieses Vorgehen führt jedoch zu einer Differenz zwischen den staatlichen Vergütungszahlungen für erneuerbaren Strom und ihren Erlösen am Markt. Diese Differenz wird über die EEG-Umlage ausgeglichen und folglich an die Stromendkunden weitergegeben.

Etwa ein Fünftel der gesamten Umlage, nämlich 20,1 Prozent, dient 2014 der Entlastung so genannter “privilegierter Verbraucher”. Gemeint ist damit die gesetzlich festgeschriebene Möglichkeit für als energieintensiv eingestufte Betriebe, sich von der Umlage befreien zu lassen. Diese „besondere Ausgleichsregelung“ soll den Unternehmen die internationale Wettbewerbsfähigkeit sichern. Die Voraussetzungen für die Unternehmen wurden in der jüngsten Vergangenheit gelockert, weshalb 2013 die Zahl der Antragssteller im Vergleich zum Vorjahr um das Zweieinhalbfache angestiegen ist.

Nur 40,6 Prozent der gesamten EEG-Umlage entfällt de facto auf die Förderung der erneuerbaren Energien. Zwar hat sich auch dieser Anteil in den vergangenen Jahren erhöht, dies liegt allerdings vor allem daran, dass sich der Ausbau in der Praxis deutlich schneller vollzieht, als ursprünglich angenommen.

 

 

Quellen:
Agentur für Erneuerbare Energien
AG Energiebilanzen e.V. (AGEB): Energieverbrauch in Deutschland 2012
BAFA
Bundesnetzagentur
Bundesverband Erneuerbare Energien e.V: Hintergrundpapier zur EEG-Umlage 2014
deutschlandfunk.de: Billige Kohle durch Fracking
DIHK: Faktenpapier Strompreise in Deutschland
eeg-kwk.net
energiehoch3.de
SPIEGEL ONLINE: Experten fordern niedrige Mehrwertsteuer
umwelt-im-unterricht.de
verivox.de
wie-energiesparen.info
Grafiken:
Bundesverband für Erneuerbare Energien e.V.
Agentur für Erneuerbare Energien
Foto: © mattilda/fotolia